Nachhaltiges Bauen und Sanieren
Bühl – Rund 160 Besucher nutzten bei einem „Tag der offenen Baustelle“ die Möglichkeit, sich über neueste Entwicklungen zum Thema nachhaltiges Bauen und Sanieren zu informieren. Architektin und Energieberaterin Sybille Feurer sowie die Kooperationspartner Stadtwerke Bühl und Energieagentur Mittelbaden hatten dazu in ein Mehrfamilienhaus aus den 1950er-Jahren eingeladen. Die dortige Sanierung umfasst den Dachgeschossausbau, den Umbau zu einem Energieeffizienzhaus KfW 55 sowie einen Anbau in Holzbauweise nach KfW 40-Standard.
Wichtigstes Ziel des Projektes ist: ökologisch-nachhaltig-einfach. Die Verwendung von ökologischen Baustoffen, der Verzicht auf Kunststoffe wo möglich, eine gute Recyclingfähigkeit sowie eine ressourcenschonende Realisierung sind weitere wesentliche Aspekte. Letztendlich soll mit dem Einsatz Erneuerbarer Energien im Mehrfamilienhaus eine CO2-Neutralität erreicht werde.
Die Stadtwerke Bühl sind die Betreiber des Gebäudenetzes im Rahmen eines Contracting-Modells – vergleichbar mit einem Auto-Leasing. Im konkreten Fall haben sie die Wärmeerzeugungsanlage auch selbst erstellt. Wartung und Abrechnung erfolgen direkt mit den Mietparteien. Nutzen kann es jeder Hauseigentümer, unabhängig vom Standort (also auch über die Bühler Stadtgrenzen hinaus) bei einer Vertragsbindung von zehn bis maximal 15 Jahren.
Die Stadtwerke betreten mit dem Projekt ein Stück weit Neuland, wie Geschäftsführer Rüdiger Höche und Projektingenieur Jörg Wickenheißer erläuterten. Die Besonderheit ist ein sogenannter Eisspeicher, der erste seiner Art, der in der Region zum Einsatz kommt. Ein Eisspeicher nutzt die Kristallisationswärme, die frei wird, wenn Wasser seinen Aggregatzustand von flüssig nach fest verändert. Dabei wird dieselbe Menge Wärme frei, die man benötigt, um Wasser auf 80 Grad zu erhitzen. Dies geschieht im Eisspeicher durch das Entziehen der Wärme mittels Kältemittel, sodass das in der Zisterne enthaltene Wasser gefriert. Damit man den ganzen Winter Wärme entziehen kann, muss das Eis immer wieder aufgetaut werden, dies erfolgt mittels eines Erdabsorbers sowie eines Luft- beziehungsweise Solarabsorbers, der auf dem Carport montiert ist. Dadurch wird eine höhere Effizienz erreicht als bei anderen Wärmepumpen.
Auf die Besucherinnen und Besucher warteten beim Infotag nicht nur Führungen über die Baustelle und Besichtigungen der Haustechnik, der Bauteile und der Wohnungen. In Vorträgen, Expertengesprächen und Fragerunden bekamen die Gäste detaillierte Informationen zu Fördermöglichkeiten, Dämmung, Photovoltaik sowie dem Verfahren des Eisspeichers mit Wärmepumpe. Zudem wurden Infostände zu verschiedenen Themen sowie individuelle Energieberatungen angeboten. Ein Expertengespräch mit Baubürgermeister Daniel Fritz gab Einblicke in die Strategien für nachhaltige Stadtentwicklung und insbesondere die kommunale Wärmeplanung in Bühl.
„Wir wollten mit dieser Veranstaltung anhand eines positiven Beispiels andere Menschen motivieren, ihre Häuser zu dämmen und mit Erneuerbaren Energien zu beheizen“, sagte Energieberaterin Sybille Feurer. Das ist mit dem „Tag der offenen Baustelle“ rundum gelungen.